Was ist Parentifizierung und wie kann Psychotherapie dabei helfen?

Parentifizierung ist eine Veränderung in der Beziehung zwischen Eltern und Kind. Bei der Parentifizierung kommt es zu einem Wechsel der Rollen zwischen Eltern und Kind. Das Kind übernimmt die Rolle eines Elternteils und ein Elternteil oder beide Eltern nehmen die kindliche Rolle ein. Das Kind wird „parentifiziert“, zum Elternteil gemacht. Es kann kein Kind mehr sein. Stattdessen ist es mit Erwachsenenaufgaben konfrontiert, die es überfordern und in seiner Entwicklung einschränken.

Auch wird dabei von der Auflösung bzw. Diffusion der Generationengrenzen gesprochen.

In einer Psychotherapie in meiner Praxis können Sie lernen, Parentifizierung zu erkennen und diese aufzulösen.



Ein paar Beispiele von Parentifizierung

Die Parentifizierung kann sich auf verschiedene Arten zeigen z.B.:

  • Die Mutter, die ihre Probleme an ihr Kind heranträgt und sich vom Kind emotional auffangen und stützen lässt. Also eine emotionale Versorgung, die tatsächlich dem Kind durch die Eltern zu Teil werden sollte.

  • Der Vater, der gewisse Erledigungen nicht selbst macht sondern, diese seinem Kind überträgt, z.B. „Geh für mich einkaufen und dann koch dem Papa was!“. Also eine Art von physischer Versorgung, die dem Kind zu Teil werden sollte

  • Eltern die ein Kind zum/zur Friedenstifter*in in der Familie machen und es damit zwischen Geschwistern, Eltern und anderen Familienmitgliedern vermitteln soll. Eine Aufgabe, die von den Eltern zu erfüllen wäre

  • Manchmal wird auch ein Kind von einem Elternteil als Ersatz für einen Partner/ eine Partnerin gemacht, der/die entweder nicht vorhanden ist oder die Rolle der Partnerin/ des Partners nicht wie gewünscht ausfüllt – sogenannter Partner*innenersatz



Wie wirkt sich Parentifizierung aus?

Parentifizierung führt häufig dazu, dass Kinder dann im Erwachsenenleben beeinträchtigt sind. Sie wurden nicht adäquat versorgt und konnten sich daher nicht so gut entwickeln. Auch fehlt es ihnen an bestimmten kindlichen Erfahrungen, die für die Entwicklung wichtig gewesen wären. Zu guter Letzt mussten sie noch Aufgaben übernehmen, die viel zu schwierig für sie waren und für die sie auf Grund ihres Alters noch nicht geeignet gewesen waren.

Wie wirkt sich Parentifizierung im Erwachsenenleben von Betroffenen aus?

  • Erwachsenen, die als Kinder parentifiziert wurden fehlt es häufig an emotionalen Ressourcen, welche im Kindesalter aufgebaut werden

  • Es kann sein, dass sie Schwierigkeiten haben, Hilfe anzunehmen oder sich in einer Beziehung auch einmal versorgen zu lassen. Dies weil sie es nicht kennen versorgt zu werden

  • Vielleicht teilen sie ihre eigenen Probleme nicht mit ihren Freund*inne und Partner*innen, weil sie gelernt haben, dass sich niemand um ihre Probleme kümmert. Stattdessen mussten sie stets für andere da sein

  • Das kann dann wiederum auch dazu führen, dass sie wenn sie Eltern werden, ihre eigenen Kinder zu parentifizieren. Damit holen sie sich von ihren Kindern das, was ihre Eltern ihnen nicht gaben

  • Schwierigkeiten in Paarbeziehungen für Menschen, die als Kinder zum Partner*innenersatz wurden

  • Auch kann es gewisse Verschränkungen und Konflikten innerhalb der Familie geben. Wenn z.B. der Vater zwei Söhne hat und nur den älteren Sohn parentifiziert, so nimmt dieser die erwachsene Rolle des Familienvaters ein. Der nicht parentifizierte Sohn dagegen denkt sich über seinen Bruder, „warum tust Du so als stündest Du über mir, Du bist nicht mein Vater sondern mein Bruder“



Welche Möglichkeiten gibt es, um Parentifizierung entgegenzuwirken bzw. diese aufzuarbeiten?

Was kann also dagegen getan werden? Nun da gibt es verschiedene Möglichkeiten und vor allem auch abhängig davon, in welcher Rolle Sie sich befinden (sollten):

  • Für Menschen, die als Kinder parentifiziert wurden:

    • Möglichkeiten finden, die verlorenen Teile der Kindheit nachzuholen. Das können einfache Erlebnisse sein, um sich als Kind zu fühlen. Auch das ganz einfache Gefühl, in einer Freundschaft oder Paarbeziehung auch einmal versorgt zu werden. Wie ich es einmal so schön formuliert gehört habe, „Ihre Freund*innen werden nie ihre Eltern sein, aber sie können hin und wieder ihre Eltern spielen“

    • Sich über die Parentifierung bewusst werden, auch allein durch die Erkenntnis kann vieles klarer werden und Veränderungen entstehen.

    • Veränderung im Verhältnis zu Ihren Eltern ist auch wenn Sie erwachsen sind noch möglich. Manches ist auch dann nachholbar, wenn Sie erwachsen sind genauso wie sich manches in der Beziehung zu ihren Eltern dann noch ändern lässt

  • Für Eltern, die ihre Kinder parentifizieren/ parentifiziert haben:

    • Werden Sie sich dessen bewusst was in der Beziehung zu Ihrem Kind abläuft und warum und wie Sie diesen Rollenwechsel herbeiführen.

    • Suchen Sie nach anderen Möglichkeiten, wie Sie das bekommen können, was Sie sich durch die kindliche Rolle wünschen

Gerne helfe ich Ihnen in meiner psychotherapeutischen Praxis im Bereich der Parentifizierung weiter und zwar egal welche Rolle sie einnehmen (sollten).



Sie haben noch nie eine Psychotherapie gemacht?

Hier eine kurze Erklärung wie eine Psychotherapie abläuft:

  • Erstgespräch (1 Stunde): Im Erstgespräch erzählen Sie mir zum ersten Mal, warum Sie Psychotherapie machen wollen. Ich bekomme dadurch einen Ersteindruck von Ihrer Thematik und Ihrem Therapieziel. Umgekehrt bekommen Sie ein Gefühl dafür, sie ich als Therapeut und Mensch bin.

  • Anamnesegespräch (ungefähr 2 bis 5 Stunden): Hierbei gehen wir Ihre ganze bisherige Lebensgeschichte durch, von Ihren ersten Kindheitserinnerungen bis hin zu Ihrer aktuellen Lebenssituation. Dadurch habe ich einen ersten Überblick und kann für die weitere Psychotherapie aus diesem Wissen schöpfen.

  • Die Therapie (ungefähr 50 bis mehrere hundert Stunden): Ab hier bestimmen Sie die Richtung. In Ihrer Psychotherapie darf alles Thema sein, von ganz alltäglichen Geschichten bis hin zu Dingen, über die Sie mit niemandem Sonst reden würden. Von frühesten Kindheitserlebnissen bis hin zu einem Gedanken, der Ihnen auf dem Weg zur Therapiestunde gekommen ist. Ich stehe Ihnen mit all meiner Aufmerksamkeit und Empathie zur Verfügung.

  • Abschlussphase (ungefähr 1 bis 10 Stunden): In der Abschlussphase Ihrer Psychotherapie lassen wir Revue passieren, was sich alles getan hat in der Zeit in der Sie ihre Psychotherapie gemacht haben. Dadurch werden Sie sich Ihrer Entwicklung bewusster. Oft wird auch die Häufigkeit der Therapiestunden am Schluss reduziert z.B. von einmal pro Woche auf alle 14 Tage. Somit wird die Therapie quasi „ausgeschlichen“ und Sie können sich leichter an die Zeit nach Ihrer Psychotherapie gewöhnen